Burgenland im Glas – Weine mit Ecken, Kanten und Seele
Shownotes
In dieser Folge von Table Talk wird eingeschenkt – und zwar richtig gut. Gastgeber Michael begrüßt erneut Sommelière Nadine in der Eventküche von Fornara. Mit im Gepäck: spannende Weine aus Österreich, genauer gesagt aus dem Burgenland.
Gemeinsam tauchen die beiden ein in die Welt der Spontanvergärung, sprechen über Bio-Weinbau, große Holzfässer und darüber, warum gerade weniger bekannte Rebsorten wie Neuburger oder ein charakterstarker Blaufränkisch viel mehr Aufmerksamkeit verdienen. Es geht um cremige Texturen, dunkle Beerenaromen, perfekte Food-Pairings von Wildgulasch bis Bolognese – und um die Frage, warum österreichische Weine in deutschen Regalen noch immer unterschätzt werden.
Außerdem wird der Blick geweitet: auf unterrepräsentierte Weinländer, überraschend hochwertige Schaumweine aus China, Kalifornien als Frage des Portemonnaies und den Wandel der globalen Weinkultur.
Eine genussvolle, kenntnisreiche und persönliche Folge über Wein als Kulturgut – mit viel Leidenschaft, Neugier und garantiertem Appetit auf das nächste Glas.
Transkript anzeigen
00:00:01:
00:00:06: Table Talk.
00:00:08: Wir bringen alle an einen Tisch.
00:00:10: Ja, hallo mal wieder beim Table Talk hier in der Eventkirche von Von Nara.
00:00:14: Ich bin Michael, Somelier und Moderator und Gastgeber hier vor allem.
00:00:18: Und ich habe wieder einen tollen Gast, nämlich schon wieder Dina Dien.
00:00:21: Und sie haben wieder Wein im Gepäck.
00:00:22: Das sind ja die liebsten Gäste.
00:00:24: Was hast du dabei?
00:00:25: Ach du, ich habe mal was Tolles mitgebracht, und zwar etwas Österreichisches aus dem Burgenland.
00:00:30: Oh, ich liebe Österreich.
00:00:31: Ja, wir fahren ja alle immer gerne in den Urlaub nach Österreich, aber So wirklich populär sind, die Österreichischen meinen ja noch nicht bei uns.
00:00:37: Die trinken
00:00:37: ja alles selbst, oder?
00:00:38: Ja, die trinken viel selbst.
00:00:39: Gleichzeitig ist es ja so, dass sie richtig gute Sachen machen.
00:00:42: Und ich habe jetzt mal, das war ein gut Tinnhof dabei aus dem Burgenland, wie gesagt.
00:00:46: Und zwar arbeiten die Bio und auch sehr viel mit Spontanvergärung.
00:00:50: Du kannst dir bestimmt erzählen, was Spontanvergärung genau ist.
00:00:52: Ja, selbstverständlich.
00:00:53: Wie viel Zeit habe ich dafür?
00:00:55: Na ja, kurz gesagt, es kommen eben... Keiner oder nur bedingt Hefens von außen rein, also Hefen, die der Winzer ganz gezielt zugibt, weil er so vorher als gezüchtete Reinstuchthefen eben gekauft hat, sondern man arbeitet mit den Hefen, die aus Weinberg kommen und noch viel mehr mit den Hefen, die einfach im Keller vorkommen.
00:01:10: Und wenn man nur lang genug wartet, fängt er natürlich einfach ein Gärprozess an, so wie es die Natur vorgesehen hat, sozusagen.
00:01:14: Damit ist es ein bisschen unkontrollierbarer, aber für uns viel, viel spannender, weil das Aromenspektrum einfach größer wird, weil die Weine individueller werden, tiefgründiger werden, also ein Beinstil, der einfach ganz viel Spaß machen
00:01:26: kann.
00:01:26: Ja, richtig toll.
00:01:27: Vor allem die beiden Beine.
00:01:28: Das ist einmal der Eisenstadt Blaufränkig und der Eisenstadt Neuburger Weißburgunder.
00:01:32: Und zwar ist der Neuburger auch eine Out-of-Tone-Rebsorte, die ursprünglich aus dem Burgenland kommt.
00:01:37: Eigentlich auch nur dort vorkommt.
00:01:38: Genau, nur dort vorkommt.
00:01:39: Absolutenische.
00:01:40: Absolutem Nische und das ist einfach so schön ausgebaut, vor allem die sind über zwölf Monate noch in großen Holzfass gelagert, bevor sie auf die Flasche gefüllt werden.
00:01:47: Und ja, es ist einfach wieder so diese cremigen, tollen Noten.
00:01:50: Die kannst du wunderbar mit Essen begleiten, eigentlich auch durchs ganze Niveau durch.
00:01:53: Und ja, man sollte es wirklich mal probiert haben, weil man sich oft nicht daran traut.
00:01:57: Natürlich sind die etwas preisintensiver diese Weine.
00:02:00: Klar, immer wenn Holzfassausbau war oder eben spezielle Jahrgänge sind.
00:02:04: dann ist es halt ein bisschen preisintensiver, gleichzeitig auf jeden Fall wert, das mal einzusetzen.
00:02:09: Ist wirklich was Besonderes.
00:02:10: Sag mal, ist das etwas, was es bei dir zu Hause auch gibt?
00:02:13: Und dann eher der Rot oder der Weiße?
00:02:15: Beide.
00:02:16: Das sind auch beides Weine, die kannst du auch wunderbar im Winter trinken.
00:02:19: Das ist jetzt nicht nur, weil es ein Weißwein ist, dass du den nur im Sommer trinkst.
00:02:22: Ich trinke auch den Rotwein, am liebsten irgendwie zu einem Wildgulasch oder so.
00:02:27: oder auch zu einer Bolognese, die nicht zu scharf ist.
00:02:30: Also kann man wirklich toll genießen.
00:02:31: Und der andere ist, wie gesagt, blaufränkig.
00:02:34: Auch super, diese intensiven Noten nach Kassis oder dunkle Reifebäre, wie Brombeere oder so eine gereifte Hinbeere etc.
00:02:42: Ja, also, wie gesagt, die trinke ich auch zu Hause.
00:02:44: Natürlich habe ich nur einen begrenzten Weinquilschrank, da kann ich natürlich nicht immer alle Weine da
00:02:48: haben.
00:02:49: Du weißt ja, wo es herkommt.
00:02:51: Genau, und ich verkostet die auch bei meinen Gastronomen, wenn ich die Weine vorstelle.
00:02:54: Deswegen bin ich ja immer sehr dahinter, dass wir auch uns dahin weiterentwickeln, dass wir einfach so unbekannte, in Anführungsstrichen Länder auch ein bisschen weiter ausbauen.
00:03:01: Vor allem Österreich, wie gesagt, wir lieben alle.
00:03:03: Österreich und gleichzeitig finde ich die Wein nicht, noch nicht richtig ausgebaut in Deutschland.
00:03:08: Da freue ich mich, wenn es langsam so ein bisschen mehr Wochen gibt.
00:03:10: Spannend, was fehlt dir denn so im deutschen Weinregal?
00:03:13: Jetzt gar nicht nur hier in Taunusstein, sondern ganz allgemein, was, vielleicht auch aus deiner Ausbildung raus, was sind so Flecken auf der Welt, wo das zu sagen würde, die sind wirklich unterrepräsentiert?
00:03:20: Ja, ich finde vor allem auch Österreich, ja.
00:03:23: Afrika ist ja in vielen Lebensmittel-Einzelhandeln vertreten und gleichzeitig aber nicht das, was es wirklich kann.
00:03:30: Und Chile-Argentine ist ja schon auch wirklich vertreten und gleichzeitig gibt es auch wirklich deutlich bessere.
00:03:36: Ich bin ja auch so ein kalifornischer Fan.
00:03:38: Da heißt natürlich das Portemonnaie weiter zu öffnen.
00:03:41: Da muss man halt wirklich schon ein bisschen mehr Gitarre greifen, wenn du was Gescheites haben möchtest.
00:03:45: Aber das finde ich schon...
00:03:46: Toll.
00:03:46: Kriegst du mit, was sich so auf der anderen Seite der Welt tut?
00:03:49: Die asiatischen Märkte, da entsteht ja wahnsinnig viel Wein auch gerade.
00:03:52: Da kommt nicht so viel bei uns an, aber hast du da Erfahrung?
00:03:54: Ja, ich war letztes Jahr auf der Provein, und zwar war ich dabei
00:03:58: im Bereich China.
00:03:59: Also die Weinwässer in Düsseldorf?
00:04:00: Da war ich im Bereich China, und da habe ich ja Champagnerqualität Schaumweine probiert.
00:04:05: Ich hätte nie gedacht, wie gut die sind.
00:04:06: Wirklich sehr spannend.
00:04:08: Also die haben schon einen Sucher-No-How, die holen sich ja auch das ganze No-How aus Frankreich und so was darüber.
00:04:12: Da tut sich einiges.
00:04:14: Gleichzeitig muss ich sagen, bin ich eher im englischen Bereich unterwegs, wenn es um Schaumwein geht.
00:04:19: Die haben natürlich auch super Qualität.
00:04:21: Und gleichzeitig die ganze Welt wandelt sich.
00:04:24: Das muss mehr Alkohol getrunken werden oder mehr Wein getrunken werden, auf jeden Fall.
00:04:29: Oh ja, gefährliche Aussage.
00:04:30: Aber wir wissen, wie es gemeint ist.
00:04:32: Und das ist natürlich auch ein Punkt, der Weinkonsum sinkt natürlich.
00:04:36: Das wissen wir, das sehen wir in allen Bereichen.
00:04:37: Gleichzeitig ist Wein natürlich auch ein Kulturmut, was es hochzuhalten gilt.
00:04:41: Aber da kann man jetzt auch ein ganzes Abendprogramm mitfüllen.
00:04:43: Das wollen wir jetzt nicht.
00:04:44: Ich würde sagen, wir lassen uns lieber den Wein schmecken und schließen, wie immer,
00:04:47: mit
00:04:48: dem Appetit, den du dir bei von Lara holst.
00:04:50: Genau.
00:04:51: Und gegessen und getrunken mit zu Hause.
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